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Drumcircle Konzept

Text: Anna Oelerich, 5.2.05

Ein Unternehmen zusammen trommeln

Zusammen trommeln in der Gruppe

„Die Lösung liegt immer auf einer anderen Ebene als das Problem selber.“ (Einstein)
„Oh, Verzeihung.“ Der Herr im Anzug im Türrahmen zu Konferenzraum 3 wirkt verunsichert. “Da haben wir uns wohl im Raum geirrt!“ Die Tagungsteilnehmer hinter ihm schauen ihm neugierig über die Schulter, wenden sich aber auch bereits wieder ab. „Nein, nein, kommen Sie nur herein,“ reagiert die Frau aus dem Inneren des Konferenzsaals einladend, „das ist alles schon richtig!“
Im Raum befindet sich ein Stuhlkreis, vor jedem Stuhl ist eine Trommel platziert. Es handelt sich um Congas und westafrikanische Djembe´, weitere andere Trommeln und Percussioninstrumente sind in der Mitte angeordnet
Sei es im Rahmen eines Betriebsausfluges, einer Firmenfeier, einer Mitarbeiterschulung oder eines firmeninternen Teamtrainings – der unverhoffte Anblick eines Arrangements von Musikinstrumenten legt schon zu Recht nahe, dass man da am falschen Ort ist. Auch wenn es für Firmen- und Tagungsmitglieder inzwischen nicht mehr fremd ist, dass ihnen zu genanntem Anlass Special Events präsentiert werden, bei denen Laptop, Powerpoint, Anzug und gewohnter Habitus nicht gefragt sind, sondern es gilt, gemeinsam ein Floß zu bauen, über heiße Kohlen zu laufen, sich über einen Abhang zu hangeln oder sich gegenseitig durch ein kreuz und quer durch den Raum gespanntes „Spinnennetz“ aus Seilen zu heben, vermitteln gerade Musikinstrumente doch das Gefühl, das müsse man irgendwie nun wirklich können oder vorher zumindest schon geübt haben. Und so kann „musizieren“ wohl nicht unbedingt Gegenstand eines Spontanevents sein etwa im Gegensatz zum Setzen eines Knotens oder Einschlagen eines Nagels.

Wie bei vielen Outdoor- und Indoorevents soll auch in diesem Beispiel eines Trommelkreises, auch Drumcircle genannt, nicht frontale Wissensvermittlung, sondern erlebnisorientiertes Handeln und Lernen mit allen Sinnen im Vordergrund stehen. Aber die Besonderheit hierbei ist, dass ein stark objektfixiertes Angebot arrangiert ist, das Objekt ist ein Musikinstrument. Erinnerungen an mehr oder weniger gelungene Kindheits- und Jugenderlebnisse werden wach: man sollte damals das Spielen eines Musikinstrument erlernen, Notenkenntnisse erwerben und vor allem üben, üben, üben. Spontanes Musikmachen scheint nun wirklich kein Medium zu sein, von dem man erwarten dürfte, dass in einem kurzen begrenzten Zeitraum ein erfolgreiches oder beeindruckendes individuelles oder kollektives Erfolgserlebniss zu erzielen ist. Weit gefehlt!

Sozial-kultureller Aspekt

Trommeln ist bereits seit Jahrtausenden ein universelles Mittel der Kommunikation. Trommeln als Musikinstrument sind weltweit verbreitet und in vielen Traditionen als fester Bestandteil verankert.
Rahmentrommeln sollen zu den ältesten Musikinstrumenten gehören, die bekannt sind. Schon vor einigen tausend Jahren war das sakrale Trommeln eine der wichtigsten Fähigkeiten und in einigen Kulturen ausschließlich Aufgabe von Frauen. Urtypen unterschiedlicher Trommeln findet man in zahlreichen Skulpturen, Reliefs und Gemälden.
In archaischen Kulturen und im Leben vieler Naturvölker wurde den Trommeln magische Kraft zugeschrieben. Ihr Klang war direkt Stimme und Botschaft der Götter, entsprechend war ihr Einsatz bei Zeremonien und Riten. Schamanischer Gebrauch vor allem zu Heilungszeremonien war und ist noch immer weit verbreitet. Selten wurden und werden Trommeln als Instrument des privaten Einzelgebrauchs benutzt.
Trommeln sind also häufig eingebettet in enge kulturelle Zusammenhänge und vor allem auch soziale Kontexte. Das Jäten oder Bestellen eines Feldes wird in Mali, Guinea oder dem Senegal oft vom Dorfkollektiv geleistet, wobei Trommler die Feldarbeit unterstützen. Der Lohn der Arbeiter und Trommler ist häufig identisch, das Trommeln wird also als Arbeit definiert, wie Dr. Rainer Polak bei langjährigen Studien in Westafrika herausfand.
Wegen ihrer Lautstärke und der durchdringenden Klangeigenschaft wurden Trommeln auch historisch immer wiederkehrend als psychologisches Kampfmittel bei der Führung von Kriegen und Austragung von Konflikten benutzt und zur Kommunikation über weite Distanzen in ebenen Gegenden (z.B. Sahel).

Der Einsatz von Trommeln in sogenannten Drumcirclen findet seit einigen Jahren immer mehr Eingang in firmeninterne Veranstaltungen in Europa und den USA als schöpferisches und ressourcenorientiertes interaktives Verfahren.
Die Grundkenntnisse, um einer Trommel ein wenig mehr als nur ein stumpfes „Plapp“ zu entlocken, sind in kurzer Zeit vermittelt. Bei der westafrikanischen becherförmigen Djembe´-Trommel muss man als Basis nur drei Schläge kennen: die vollaufgesetzte Hand in der Mitte des Trommelfells als dumpfes „bum“, die geschlagenen Finger am Rand als „ping“ und die locker auf den Rand gesetzten Finger als „pam“. Das ist erst einmal Grundtechnik, aber noch nicht sonderlich förderlich, um ein kurzfristiges Gelingen und somit Erfolgserlebnis in der Gruppe zu erreichen.
Kurze präzise Anweisungen durch den Anleiter oder die Anleiterin bringen die Beteiligten in einen ersten gemeinsamen Rhythmus, der kraftvolle Klang der Trommeln erfüllt den Raum. Mit minimalem Körpereinsatz entfalten sich – sowohl rhythmische als auch emotionale - Schwingungen, wobei die individuelle Aufmerksamkeit zwischen eigenem Empfinden und dem „groove“ der Gesamtgruppe pendelt. Schon nach kurzer Zeit schwimmen alle auf einer (Klang-) Welle und können sich dort treiben lassen. Das synchrone Stakkato der Trommeln wird zum „heartbeat“, zum verbindenden Herzschlag.

Etymologischer Aspekt
Trommeln bedeutet Hand-Werk im Wortsinn. Die Hand berührt das Fell: man „handelt“. Die Hände schlagen das Fell, und vor allem: sie dürfen schlagen, an allen Sensoren der Hand unmittelbar spürbar. Ähnlich einer Kampfsportart ist gezieltes und kontrolliertes Schlagen beabsichtigt, die uns (meistens) eigene Schlaghemmung muss aktiv überwunden werden. Energie wird freigesetzt. Das, was beim Trommeln beobachtet werden kann, spiegelt häufig die betriebliche Ebene wider: im Spiel kann deutlich werden, wie der Einzelne sich verhält, wenn es gilt, in der Praxis die Worte vor-schlagen, Rat-schlag, schlag-fertig, schlag-kräftig und durch-schlagend umzusetzen. In diesem Sinne eigenen sich Drumcircle als Diagnose- bzw. Motivationsinstrument individueller Fähigkeiten, ohne dass dem Anleiter die konkrete Ausgangslage des einzelnen Teilnehmers unbedingt bekannt sein muss.

Gruppendynamischer Aspekt
Sowohl Intellekt als auch Sprache treten in den Hintergrund. Nonverbale Kommunikation und Interaktion sind gefragt, um als Gruppe in Harmonie zu kommen. Disharmonien im musikalischen Miteinander müssen nicht zwingend thematisiert und diskutiert werden, allein schon ihr Vorhandensein wird wahrgenommen, wirkt oft unmittelbar störend wenn nicht gar schmerzhaft auf das Gehör und zwingt den Einzelnen, seine aktuelle Aktion umgehend zu überprüfen und wenn nötig im Sinne eines gemeinsamen Ganzen zu korrigieren. Musikalität spielt eine untergeordnete Rolle, emotionale Wachsamkeit dem eigenen Verhalten gegenüber und der Blick auf die Gesamtgruppe sind entscheidend, das Zuhören wird geschult, schnelle eigenverantwortliche Änderung des individuellen Verhaltens ist gefordert. Obwohl dies alles auf spielerischer Ebene geschieht, sind dennoch auch hier häufig Analogien zum alltäglichen Geschehen im Unternehmen zu finden.

Improvisation
Spontanes Trommeln in einer Gruppe ist Improvisation. In ihrer Untersuchung zum Thema „Gruppenimprovisation“ (2004) beschreibt Eva Maschke das (musikalische)Improvisieren in der heutigen Zeit als Nischenerscheinung. Dem Improvisieren haftet der Geschmack des Unvollkommenen, Behelfsmäßigen, des Oberflächlichen, des Unkalkulierbaren und des Banalen an, anders gesagt dessen, was in der heutigen geplanten, strukturierten und zielorientierten Gesellschaft eigentlich keinen Platz hat, im betrieblichen Alltag negiert wird und allerhöchstens im Freizeitbereich angesiedelt werden kann.
Musikalische Improvisation wurde in den 70ger Jahren in Deutschland sehr populär, vor allem auch im FreeJazz –Bereich und spiegelte den Wunsch nach Veränderung und Distanz bezüglich der etablierten politischen Formen wider. Schnell, individuell und eigenverantwortlich zu reagieren, ist heute – wenngleich unter anderen Gesichtspunkten als damals - wieder gefragt, - und improvisieren dabei wichtig.

Improvisieren bedeutet, schnell, wach und kreativ zu handeln, wenn etwas nicht nach Plan verläuft, wenn sich unterwegs neue Umstände abzeichnen, sich Zufälle ereignen. Die Mischung aus Lust und Angst kommt zum Tragen: Lust, etwas Neues zu sehen und zu bewältigen, Angst dagegen vor Unbekanntem, Fehlern oder gar dem Scheitern.
Beim gemeinsamen Trommeln begibt man sich auf dieses Übungsfeld. Die Teilnehmer handeln – sie trommeln und produzieren Rhythmus, ohne dass ihre Handlung im Moment des Vollzugs vorhersehbar oder erwartet ist, vor allem ist sie nicht rückgängig zu machen. Man kann sich gegenseitig entweder unterstützen oder aber ignorieren. Beim gemeinsamen Trommeln ergibt sich eine Kette aus relativ fixierten motorischen Aktionen und intuitiven Entscheidungen. Ein permanentes Abwägen, ob es angebracht ist, neue Impulse in die Gruppe zu bringen, ob ein Zurücknehmen der eigenen Person angebracht ist oder Vorpreschen – Führen, Begleiten oder gleichberechtigtes Miteinander wird ausgetestet. Im musikalischen Improvisieren ergibt sich ein ständiges Wechselspiel zwischen agieren und reagieren. Bei der musikalischen Aktion sind schnelle Entscheidungen gefragt wie integrieren, imitieren, sich zurückhalten, das Gegenteil tun oder sich anpassen.
Fehler im Sinne von „unpassend, ungewollt“ sind programmiert, der Umgang mit eigenen Fehlern wird trainiert. Jeder Teilnehmer eines Drumcircles wird mit seinen unmittelbaren Aktionen konfrontiert, lernt, sie zu akzeptieren und darauf aufzubauen. Die emotionale oder kognitive Beteiligung an einer musikalischen Gruppenimprovisation lebt vom „Ja“ zur Unsicherheit.
Die Beobachtung dieser Gruppendynamik veranlasst den geschulten Anleiter des Drumcircles, den Trommelrhythmus zu beschleunigen oder zu verlangsamen, spezifische Aufgaben zu verteilen oder Anweisung zur Erarbeitung eines Themas in Kleingruppen z.B. anhand einer Bild- oder Textvorgabe zu geben. Er erhält Einblicke in die Arbeitsweise einer Gruppe und der dort herrschenden Beziehungsgeflechte und er kann hier im Hinblick auf die anvisierte Zielsetzung aktiv leiten.

Physiologischer Aspekt
Gemeinsames Trommeln bewirkt nachweislich die Veränderung biologischer Parameter des menschlichen Körpers. Pulsfrequenz, Atmung, Hautreflexe und Drüsenfunktion verändern sich, wie C. Frank in ihren Untersuchungen nachwies, weshalb gerade dieses Musikinstrument heute nicht selten in der Therapiearbeit und psychosomatischen Medizin eingesetzt wird. Als Opening, Zwischensequenz oder Ende einer Tagung bewirken Drumcircle Stress- und Aggressionsabbau, verlängern daher die Aufnahmefähigkeit und steigern das Lernpotential der Teilnehmer. Es ist ein Instrument, effektiv Zeit zu sparen und somit den Weg zur beabsichtigten Zielvorgabe indirekt zu optimieren sowie für Nachhaltigkeit der Ergebnisse zu sorgen, ohne trotz alledem den Spaßfaktor zu vernachlässigen.

Aspekt des Eventmarketing
„Event“ ist ein im deutschen Sprachraum recht populärer Begriff geworden. Ursprünglich bedeutet das englische Wort nur „Ereignis, Vorfall, Begebenheit“ – also einen recht alltäglichen Vorgang, mehr nicht. Durch das Entstehen einer eigenen Eventmarketing-Branche wurde der Wortsinn allerdings erheblich erweitert. Hiernach werden „unter Events …inszenierte Ereignisse sowie deren Planung und Organisation im Rahmen der Unternehmenskommunikation verstanden, die durch erlebnisorientierte firmen- und produktbezogene Veranstaltungen emotionale und physische Reize darbieten und einen starken Aktivierungsprozess auslösen“.(BDW, 1992)
Ein derartiges Event zielt immer auf eine emotionale Beeinflussung der Teilnehmer ab, es geht niemals alleinig um Informationsvermittlung, sondern primär um die Erlebnisfunktion, die Besonderheit oder sogar Einmaligkeit der multisensuativen Sinnesanimation. Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Kommunikationskanäle bzw. Rezeptoren, über die der Mensch verfügt, bieten Drumcircle/Trommelevents hervorragende Möglichkeiten, visuelle, auditive, taktile und haptische Reize zu bedienen.

So spezifisch das Design einer Tagung konzeptionell sein mag mit Zieldefinition wie Teambildung, Mitarbeiterführung, Zielvereinbarung, Projektmanagement oder Belohnung, so universell einsetzbar sind Drumcircle. Sowohl in ihrer Funktion als Diagnoseinstrument als auch „just for fun“ zur Auflockerung einer Tagungssituation haben sie durch ihre Unmittelbarkeit, ihre Leichtigkeit sowie ihre energetisierende und motivierende Wirkung bereits weite Verbreitung auch im deutschen Raum erfahren.

Bezugsliteratur :
Rainer Polak, Festmusik als Arbeit, Trommeln als Beruf, Reimer 2004
David Neumann, Erlebnismarketing/Eventmarketing, Verlag Dr. Müller 2003,
Eva Maschke, Gruppenimprovisation: Von der Überraschung, was sich gemeinsam entwickelt, Hamburg 2004
…….und mehr

Ich freue mich über Kommentare und vor allem Ergänzungen und Tipps zu meinem Text.
Annaanna@drumcafe-nordhorn.de


16.10.2003

Gute Frage

Auszüge aus einer Diskussion, die im Djembedos - Forum gerade geführt wird:
(alles könnt ihr unter dem Stichwort "Umfrage" unter 
de.groups.yahoo.com/group/djembedos abrufen, klickt doch mal rein!!!)

Hallo zusammen,
ich hätte gern mal eure Meinung zu einer meiner Meinung nach offenen
Sprachregelung gehört. Und zwar zur Mehrzahl von Djembé. Djembés oder
Djemben?
Was sagt ihr?
Hans Rabe
www.rabensang.de

Hallo Hans,
interessante Frage - allerdings hat sie sich mir vorher noch nie
gestellt. Wenn wir z.B. einen workshop planen, sagen wir: "Ich nehme
meine Djembe mit, wie viele Djembe brauchen wir noch?" Wie haben
niemals eine Pluralform gebraucht, sie war wohl einfach gefühlsmässig
integriert.
Na, Hauptsache wir hatten dann beim workshop genug Djembe/n/s!
liebe Grüsse
Anna
www.drumcafe-nordhorn.de
 
 
..., dass ich im Fachbereich
Germanistik hauptsächlich als Übersetzerin Ingeborg Bachmanns bekannt bin;
in Trommlerkreisen bin ich eher als Dr. Dorothy Dumbdrum verrucht,
nichtsdestotrotz bin ich seit 2000 die "Managerin" von Famoudou Konate hier
in den USA). Als Germanistin ist es mir wirklich Wurscht, ob man "djembes"
oder "djemben" sagt (während ich in D. gelebt habe, sagten die meisten
"Djemben" --wohl aus den grammatikalisch-logischen Gründen, die von Rainer
Polak genannt wurden; da ich englisch-muttersprachlerin bin, habe ich schon
seit meiner ersten Begegnung mit der Djembe [1986] immer dazu geneigt,
djembes zu sagen und nur im Dativ von djemben zu reden).

Das Problem mit dem Wort "Djembe" sehe ich vielmehr am Anfang als am Ende.
In der Malinke Sprache, wie sie in Guinea gesprochen wird, existiert der
Buchstabe "j" gar nicht (vergl. Marianne Friedländer, _Lehrbuch des
Malinke_). Wörter mit diesem "dj" Laut werden mit "dy" geschrieben. Immer
wenn Famoudou Konate Anlass hat, das Wort "djembe" zu schreiben, schreibt er
es dementsprechend mit "dy," nie mit "dj." Ich wäre eigentlich dafür es auch
so zu schreiben, nun hat sich diese "frankonisierte" bzw. "eingedeutsche"
Form derartig durchgesetzt, dass es kaum noch möglich ist, "dyembe" so zu
schreiben, wie die Malinke es auch tun. Was es die Mehrzahl betrifft-- ich
meine, der Famoudou sagt, ganz gleich ob er gerade auf Deutsch, Französisch
oder Malinke spricht, "wieviele Dyembe..." im Englischen genauso (how many
djembe)--also genau wie Anna @ Drumcafe, nur mit dem kleinen Unterschied,
dass er das Wort mit Ypsilon und nicht mit Jot schreiben täte.

Lilian Friedberg
http://www.chidjembe.com/

...
Aber nun zur Frage: Ich trete ja in Experten-Kreisen dafür ein, dass es
Jenbe heißt. Das tu ich aber nur in wissenschaftlichen Texten über Mali,
und zwar weil man es in Mali halt so schreibt, zumindest laut dortiger
offizieller linguistischer Richtlinien und den entsprechenden Wörterbüchern.

Den Plural mach ich auch mit -n, also Djemben oder Jenben. Ich glaube, es
erscheint uns flüssig, weil viele deutsche Worte, die auf -e auslauten, den
Plural mit -n bilden (Lauten, Gitarren, Flöten, Trompeten usw.). Der Plural
mit -n sagt aus, dass man das ganze Wort als eingedeutschtes Wort
betrachtet, das zwar ein Lehnwort ist (aus dem Mande bzw. Französischen),
aber mittlerweile eben eingebürgert.
Der Plural mit -s kommt ja aus dem Französischen (und in den letzten
Jahren, in "jembes", auch aus dem Englischen. Diesen Plural zu verwenden
scheint mit deshalb zu bedeuten, dass man das Wort noch als Fremdwort
betrachtet -- also etwas weniger weit "eingedeutscht", als es bei einem
Lehnwort der Fall ist --, was durch den manchmal auch von Deutschen
verwendeten franz. Akzent (djembé, djembés) besonders deutlich wird.

Natürlich jede Sprachregelung offen und bildet sich nur in der Praxis der
Benutzer der Sprache raus, selbst der Duden hat ja z.B. keine Gesetzeskraft
und gilt nicht mehr so uneingeschränkt wie früher, seit der Neuen
Rechtschreibung. Ich halte allerdings die "Eindeutschung" für eine quasi
natürliche Entwicklung, und finde "Djemben" auch ein ganz schönes Wort.

Was aber haltet ihr vom Plural unserer lieben Basstrommeln? Ich bin ja für
"Dununs" (Dounouns, Doundouns).

So long,
Rainer
Dr. Rainer Polak
Pottensteiner Str. 8
95447 Bayreuth


----


Naja, bei diesen Themen musste ich an meine Kindheit als s.g.
"Mischlingskind" oder "Halbblutige" in den USA zurückdenken:
mutterlicherseits bin ich s.g. "indianischer" Herkunft, d.h. Ich stamme von
den Ojibwe ab; väterlicherseits bin ich deutsch-jüdischer Herkunft, daher
auch der Name "Friedberg". Weil die europäischen Besatzungsmächte das Wort
"Ojibwe" nicht aussprechen konnten und es demensprechend  geschrieben haben,
ist dafür der Begriff "Chippewa"  vielleicht noch gängiger dort drüben;
neulich habe ich sogar einen alten Text entdeckt, bei dem dieses Wort auf
Deutsch "Odschibwa" geschrieben wurde--finde ich immerhin besser als
"Chippewa", richtig ist jedoch nur "Ojibwe" oder "Ojibwa" bzw Anishinabe
oder Anishinaabeg.

Zur "Integrierung": Schon als Kind wurde ich als "Halbblutige" von meiner
Mutter "entfernt", [engl. "removed"] weil die damalige USRegierung
systematisch versuchte, uns "Wilden" (auch uns Halbwilden und sonstige
"Überreste" der s.g. "alten" Kulturen) in ihre Besatzungskultur zu
"integrieren." Die Bedingung dieser "Integrierung" war, dass wir jede Spur
unserer Fremdheit loszuwerden hatten; selbstverständlich liefen die
"erfolgsreichsten" "Integrierungs-Experimente" dieser Art eben mit den
heller-häutigen unter uns ab, die--wie ich--es leichter hatten, bei besseren
Familien unterzukommen. Von Anderen kenne ich recht grauenhafte Geschichten
aus dieser Zeit, bei mir war es eigentlich nur halb so schlimm; von der
Hautfarbe her war ich eben "hell" genug um "dazuzugehören".

Nun ist eins der Hauptanliegen der Stämme, die auch dadurch fast
verlorengegangenen Sprachkenntnisse zurückzugewinnen--deswegen besteht man
darauf, nur als Beispiel, Ojibwe/a so zu schreiben und nicht anders. Es ist
nicht nur eine Frage der "Selbstbestimmung", sondern eine Frage der
Erhaltung der s.g. "alten" Kulturen, die zwar schon sehr alt sind, aber in
grossen Zügen noch gelebt werden, trotz jedem Versuch, sie aus der Welt zu
schaffen.  

Mir war es nicht möglich, meine "Andersartigkeit" abzulegen. So bin ich von
einer Pflegefamilie zur anderen hinundhergeschoben, bis ich irgendwann
"erwachsen" war und meinen eigenen Weg einschlug. Bald darauf bin ich als
Stipendiatin der Kieler Uni nach Deutschland "ausgewandert"-- teilweise weil
ich gar nicht mehr mitansehen konnte, was die Besatzungmächte mit dem Land
meiner Grossmütter  anstifteten. Auch wenn ich als "Halbjüdin" in
Deutschland  nicht so ganz hineinpasste, wagte es niemand  aus meinem
(wörtlichen) "Vaterland" von mir zu verlangen, dass ich jede Spur meiner
"Fremdheit" ablege, um dazuzugehören (vielleicht aufgrund der deutschen
Geschichte, die--anders als die amerikanische Geschichte des
Massenmordes--sich nicht leugnen lässt, zumindest nicht nach deutschem
Gesetz). Damals habe ich es so empfunden, als wären "die  Deutschen" einfach
offener, toleranter, weiterdenkend als die Amis, eben etwas "anders" als die
übrigen Kolonialkräfte.

Jedenfalls haben sich die Stämme heftig gegen diese Art
"Integrations"-versuche gewehrt und es wurden nach etwa zehnjährigem Kampf
Gesetze verabschiedet, die verlangten, dass Indianerkinder NUR von
Indianerfamilien adoptiert wurden, damit die weitere Ausrottung unserer
Kulturen, unserer Sprachen, usw zumindest streckenweise angehalten wurde.
Das hat auch--Geronimo sei dank ;)--teilweise geklappt.

Was hat das alles mit der Integrierung der Djembe-Kultur in die deutsche
Kultur/Sprache zu tun?   Lasst uns meinen, das Deutsche sei die "Mutter
(sprache)", "djembe" sei das Stiefkind, das sie "adoptieren" will. Das
Stiefkind ist "fremd": soll man ihm seine Fremdheit entnehmen als Bedingung
dafür, dass es auch "integriert" werden darf, oder soll man es adoptieren
und ihm seine Fremdheit zulassen, gutheissen, respektieren, sogar fördern
und pflegen? Könnte man nicht sogar sprachliche "Sondergenehmigungen"
ausstellen, um ihm und seinen Eigenarten gerecht zu werden? (Im Grunde
passiert genau das, wenn in der Bildung der Mehrzahl keine Veränderungen
vorgenommen werden [wie der Wagen/die Wagen], oder eben wenn die Mehrzahl
mit "s" [wie das Auto/die Autos] gebildet ist). Wäre es nicht auch das, was
zu einem "Liebesverhältnis" gehörte, ganz gleich ob zwischen Mutter/Vater
und Kind, Mann und Frau, Mann und Mann oder Frau und Frau, sogar zwischen
Mensch und Tier bzw. Baum-Blume-Berg-Stein-Trommel? Muss die Aufnahme eines
geschätzten Etwas' immer gleich die Aneignung durch Entfremdung aus seinem
ursprünglichen Zusammenhang beinhalten? Wieso passen wir uns IHM nicht an,
anstatt immer zu verlangen, es passt sich unseren "Regeln" an?

Die Djembe ist schon Teil der deutschen Kultur geworden. Das ist kaum
rückgängig zu machen, noch SOLL es rückgängig gemacht werden.

Will man diese Trommel nun auch sprachlich "adoptieren" und ihr ihre
Fremdheit überlassen, müsste sie eigentlich entweder "jenbe" (wenn aus Mali
stammend oder diese Tradition betreffend) oder eben "dyembe" (wenn aus
Guinea stammend oder diese Tradition betreffend)--d.h eine differenzierte
Aufnahme von diesen Wörtern/Begriffen wäre mE schon angesagt; die
verschiedenen afrikanischen Ballet-Traditionen könnten noch als
"djembe-Traditionen" bezeichnet werden, um deren Verhältnis zur
Kolonialgeschichte sprachlich zum Ausdruck zu bringen.  Von "Neuerfindungen"
aus Deutschland und für in Deutschland hergestellte Trommeln dieser Art
könnte man tatsächlich "Dschembe" schreiben--wäre präziser, irgendwie auch
"richtiger", denn es würde sie ganz klar von diesen anderen aus
verschiedenen afrikanischen Gebieten stammenden Trommeltraditionen
unterscheiden. Für die nordamerikanischen Entwicklungen auf diesem Gebiet
könnte man "Jambay" sagen--so wusste auch jede/r gleich Bescheid, mit
welcher kelchförmigen Trommeltradition er/sie zu tun hat. Sicherlich sind
das bloss halbseriöse Vorschläge--wie ihr sieht, benutzen auch wir in
unserer Werbung "Djembe"--aus pragmatischen Gründen. In unseren Kursen
erklären wir allerdings schon den Unterschied zwischen "djembe" "jenbe" und
"dyembe";von "Dschembe" u.o. "Jambay" war bisher noch gar keine Rede;=).

Inzwischen habe ich den sehr aufschlussreichen Aufsatz von Thomas Ott
gelesen (danke Ulli und Anna!) und ein Zitat daraus gezogen, das ich sehr
zutreffend finde, gerade vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrung als
"Fremde im eigenen Land" (ich zitiere Henryk Broder) und meine Erfahrung als
Fremde in euren Ländern, nicht zuletzt als Fremde in Guinea.

Eure ganz gern fremdunddfriedlichwennauchnichtimmerfröhlichgebliebene,

Lilian

 
"Wenn die vertrauten Erfahrungs- und Bewältigungsmuster versagen, wenn wir
das wirklich Fremde als Befremdliches nicht dem (feindlichen oder
idealisierenden) Gegenbild zuschlagen wollen, es aber auch nicht in einem
imaginären Urgrund von Allverwandtschaft auflösen können,  wird uns eine
besondere schwierige Leistung abverlangt (besonders schwierig für uns
Deutsche, die wir weniger Erfahrungen im Umgang mit Einwanderern und mit
anderen Kulturen haben als andere Länder): die Leistung, das Fremde als
Fremdes zu belassen, ohne bestimmte Grundwerte unserer Gesellschaft - die
eigene Sprache, die Menschenrechte, die Rechtsordnung - in ihrer
Verbindlichkeit zu relativieren." (Thomas Ott, "Unsere fremde Musik")
 

Eure Fragen, Kommentare, Wuensche usw. koennt ihr ueber johannes.schya@web.de 
an mich richten. Ich werde mich bemuehen umgehend Eure Fragen zu antworten.



28.10.2003
 
Hallo Hans,

da hast du eine Diskussion losgetreten mit deiner Frage, wie der
Plural von Djembe (Jenbe) gebildet wird. Du hättest sicher nicht
gedacht, in welche Richtung sich die Ideen entwickeln würden. Du
weißt, dass ich mich seit einiger Zeit mit der Sprache der Malinke,
aber insbesondere mit der der Bambara beschäftige. Deshalb kann ich
hier einen kleinen Beitrag zu deiner Frage liefern.

Eine provozierende Frage: Wie ist der Plural von Messer? Ich nehme
an, seit es die deutsche Sprache gibt, hat sich wohl bis heute
niemand gefragt, wie der Plural von Messer ist, trotzdem können wir
offenbar sehr gut mit dem Wort umgehen und wissen immer, ob es sich
um ein Messer oder um mehrere Messer handelt. 

...

So ähnlich verhält es sich im Bambara (bamana kan) oder im Malinke
(maninka kan). Das heißt, an den abhängigen Elementen von Djembe
kannst du zweifelsfrei erkennen, ob es sich um den Plural oder
Singular handelt. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied. Wir
sagen «das Messer», «der Esel», u.s.w., unsere Substantive haben
einen Artikel. Also sehr einfach mit der Pluralbildung: das Messer,
die Messer, der Esel, die Esel. In unserer Sprache können wir den
Plural durch die Veränderung des Artikels kenntlich machen,
gleichzeitig geht die Markierung des Geschlechts verloren.

Die Bambara und die Malinke kennen in ihrer Sprache keinen Artikel.
Es gibt keinerlei Genusunterscheidung an Nomen, Pronomen, Verben oder
Adjektiven. Will man in einem gegebenen Fall das natürliche
Geschlecht angeben, so geschieht dies durch Suffigierung von
-kê (Mann) bzw. von -muso (Frau). Beispiel : Rind. Will ich wissen,
welches Geschlecht das Rind hat dann sage ich Rind-frau oder Rind-
mann. Während man sich bei uns mit drei Artikeln abrackern muss
(frage die Ausländer), haben die Franzosen nur zwei Artikel, leider
nicht die gleichen wie wir. Die Engländer tun sich noch leichter, sie
sagen einfach the. Ich weiß nicht, heißt das der, die, oder das. Man
könnte darüber philosophieren. Die Bambara und die Malinke kennen
keinen Artikel. Das macht die Sache für uns nicht leichter. Du hast
gefragt, wie die Djembe im Plural heißt. Du bist dabei davon
ausgegangen, dass die Djembe weiblichen Geschlechts ist. Wissen wir,
ob es so ist?

Wer öfter etwas von Stephan Rigert aus der Schweiz liest der wird
feststellen, dass Rigert der Djembe das sächliche Geschlecht gibt. Er
sagt: das Djembe. Finde ich gar nicht so schlecht, will sagen, ich
halte das für richtig. Wenn wir das auch sagen würden, hätten wir
keine Probleme mit dem Plural. Das Djembe wäre der Singular, die
Djembe der Plural. (Genau wie : das Messer, die Messer) Leider haben
wir aus mir unbekannten Gründen der Djembe die weibliche Form
gegeben. Ich denke, sicher wohl nicht der bauchigen, eleganten Formen
wegen. Nun ist es halt so. Wir haben uns, wohl aus Unwissenheit, die
(das) Djembe in unsere Sprache integriert. Wir haben sie vereinnahmt.

...

Für diejenigen die es interessiert, noch ein wenig Linguistik. Ich
möchte mich nicht um die Frage drücken, was machen die genannten
Ethnien, wenn sie keinen Artikel haben und trotzdem den Plural von
Djembe bilden wollen. Sie können im Gegensatz zum Deutschen  dem
nackten Wort Djembe den Plural geben. Ich kann nur für den Teil in
Mali sprechen, der zwischen Bamako und der Grenze zu Guinea, also im
südwestlichen Bereich von Bamako liegt. Das ist der Grenzbereich
zwischen den Bambara und den Malinke.

Grundsätzlich wird der Plural nur am Nomen bzw. an der Nominalphrase
markiert. Alle anderen Elemente des Satzes werden nicht verändert.
Die Markierung des Plurals erfolgt durch das Suffix "w" (wird u
gesprochen) entweder an das Nomen selbst oder an weitere, von ihm
abhängige Elemente. Im letzteren Falle (z.B. Zahlworte oder Adjektive
zum Nomen) ergeben sich unterschiedliche Regelungen.
Pluralmarkierung entfällt a) im Zusammenhang mit Zahlworten, b) an
Massennomen wie ji «Wasser», malo «Reis», nónó «Milch», wari «Geld»; 
c) kann entfallen bei Verwendung des Pronomens bêê "alle".
siehe Raimund Kastenholz: Grundkurs Bambara (Manding) mit
Texten)

Was heißt das in der Praxis für die Djembe? mehrere Djembe heißen
Djembe. Mehrere ist ein abhängiges Element von Djembe, aus ihm geht
zweifelsfrei hervor, dass mehrere Instrumente gemeint sind, also nur
der Plural gemeint sein kann. Wenn mit dem Wort Djembe ein Zahlwort
oder irgendein Hinweis auf mehrere Djembe verknüpft ist, dann wird
der Plural logischerweise durch den Hinweis erkenntlich. Nur wenn das
Wort Djembe im Plural ohne weitere abhängige Elemente auftritt, dann
heißen sie Djembew. Beispiel: Ich habe mir Djembe(n) gekauft. Ne ye
jenbew san. Ich habe mir zwei Djembe(n) gekauft. ne ye jenbe fila
san. Entsprechende Konstruktionen gibt es im Deutschen nicht, das ist
das Interessante an der Sprache.

Auffallend ist, dass die Malinke, etwa ab Siby in Richtung Westen und
Süden, den Plural durch das Suffix "i" an das Nomen selbst oder an
weitere, von ihm abhängige Elemente, bilden. Der Plural von Djembe
ist also Djembei. Darf keinesfalls wie im Deutschen « ei » gesprochen
werden sondern e-i. Gleichermaßen aber erfolgt die Pluralbildung in
diesem Gebiet und weiter bis in den Süden nach Guinea mit Hilfe des
Morphems "lu". (siehe Marianne Friedländer: «Lehrbuch des Malinke»)

...

Zusammenfassend möchte ich folgendes sagen: 
Ohne einen Fehler zu machen, und ohne das Wort Djembe einzudeutschen,
könnten wir von «das Djembe» reden und schreiben. Das Problem mit
dem Plural würde sich auf eine sehr kulturbezogene Art und Weise von
selbst lösen

Richard Schreiner

Rhythmen der Gemeinschaft,
Musik und Sensibilität im afrikanischen Leben, John Miller Chernoff
Peter Hammer Verlag

Faszination des Fremden
...Aber eigentlich liebte ich die Dagomba-Musik aus einem anderen Grund: ihr Trommeln war absolut unverständlich für mich. Ich konnte einfach nicht hören, wo die metrischen Grundschläge waren oder wie die einzelnen Parts zusammengehörten. Immer, wenn ich die Möglichkeit hatte, dieser Trommelmusik zuzuhören, verlor ich völlig die Orientierung. Kurz gesagt: sie erschien mir wunderbar in ihrer Komplexität und zog mich magisch an.(S.23)

Trommeln und Tanz
...der da trommelt, tut, was er fühlt. Manchmal tanzen, wenn er trommelt, gleichzeitig Menschen. Er beobachtet ihre Füße und wie sie ihre Füße beim Tanz bewegen. Er beobachtet die Bewegungen des Körpers und der Füße, und je nachdem, wie der Tänzer seine Schritte in diesem Tanz wählt, so wird er ihn trommelnd begleiten. (...) Wenn der Tänzer seine Füße hebt und den Körper bewegt, dann spielt der Trommler Musik, die genau zu diesen Bewegungen passt. Dann kannst du ganz deutlich sehen, wie sich beides zusammenfügt und wie die Wechsel übereinstimmen mit der Art des Tanzens. Wenn er beginnt, den Körper und die Füße zu bewegen, spielt der Trommler so, wie er tanzt. Sobald er aufhört, endet auch das Trommeln, das zu ihm gehört. (...) Und wenn sie im Kreis tanzen und ein Tänzer kommt zu dem, der trommelt, dann wird der Trommler speziell für diesen Tänzer trommeln. (S.135)

Der Trommler
...An einem sehr heißen Tag lief mir beim Trommeln der Schweiß in die Augen. Ich schloß die Augen, um ungestört weiterspielen zu können. Da hörte ich Ibrahim (den Lehrer) plötzlich rufen:"John, he John, schläfst du? Schau mich an, - schlafe ich etwa beim Spielen?" Ich mußte lachen und meinte, er fände das Trommeln hier vielleicht einfach, für mich wäre es jedenfalls Arbeit. Er schüttelte den Kopf. "Du liegst noch nicht im Bett. Wenn du schlafen willst, solltest du nicht Dundun spielen, sondern ins Bett gehen." Ein Trommler muss in der Lage sein, die Menschen seiner Umgebung wahrzunehmen und auf sie zu reagieren.(S.89)

...Indem er die Rhythmenwechsel bestimmt, lenkt der (Meister-)Trommler die Entwicklung des gesamten Geschehens. Die Teilnehmer sind mit den Rhythmen der Szenerie beschäftigt, und der Trommler organisiert und zentriert die Darstellung der Kraft sowohl auf der sozialen wie auf der musikalischen Seite durch seine profunden und mit Bedacht eingesetzten ästhetischen Fähigkeiten....(S.138)

...Ein einziger Ton an der richtigen Stelle platziert, beweist die Kraft eines Trommlers besser als die Ausführung einer ganzen, technisch komplizierten Phrase. Ein guter Trommler hat die Fähigkeit, alle Rhythmen gleichzeitig zu hören und dann noch Platz für seinen eigenen zu finden. Er balanciert mit seinen Schwerpunkten immer am Rande des Chaos und macht aus den vereinzelten und miteinander streitenden Rhythmen ein Ganzes. (...) Er braucht nicht ständig den Rhythmus zu wechseln, denn es geht ihm gar nicht darum, alle Möglichkeiten für sich zu beanspruchen. Er versteht sich als Teil des Ensembles. Er weiß, dass er nicht alles beisteuern muss, was das Ergebniss interessant macht, und dass er lediglich ein paar Vorschläge machen kann, wie das Potential zu nutzen ist....(S.139)

Buchtipp von Anna


  26.9.2002

Gedanken zum immer wiederkehrenden ach so dringenden Bedürfnis, bei Trommelworkshops die Rhythmen aufschreiben bzw. diktiert bekommen zu wollen:

... .Im Lichte von Erfahrungen mit der schriftlosen Tradierung afrikanischer Musik, etwa mit dem "notenfreien" Erlernen eines Instruments und der dafür bestimmten Musik, erscheint einem die abendländische Errungenschaft der Notation (...) durchaus als ambivalent. Denn in schriftlosen Kulturen gibt es Erscheinungen, die unmittelbar mit den dort üblichen Methoden der Tradierung zu tun haben und die unserer Kultur mit dem Durchbruch der Notenschrift fast vollständig abhanden gekommen sind: das Musiklernen mit dem ganzen Körper, die Beherrschung des gesamten Repertoires durch alle Angehörigen der Kulturgemeinschaft, die Fähigkeit zum spontanen, kollektiven und situationsbezogenen Improvisieren (...), ein anderes Konzept von Verfügung über das Gelernte (das man nicht nur auswendig, sondern sozusagen auch inwendig beherrscht). Jedes strukturelle Detail wird im Lernprozeß körperlich, emotional und kognitiv durchdrungen und in einer Weise angeeignet, daß der Körper zur Partitur wird...


aus der Antrittsvorlesung "Unsere fremde Musik" von Herrn Prof. Dr. Thomas Ott am 29. Januar 1998, Universität zu Köln
Buchtipp: Famoudou Konate´/Thomas Ott: Rhythmen und Lieder aus Guinea, Oldershausen 97

Anna

 

THE MOVE
story by Jenny Viall from SHAPE


Drumming's a great workout. It's also good for your soul, and quiets the restless mind.

The concept needs little explanation - we've all tapped (geklopft) out a rhythm sometime in our lives. But this is drumming on an altogether different level, as physical outlet (Ventil/Bestätigung), and spiritual balm (Balsam).
When something has made you mad, there's nothing like physical activity to let off steam (Dampf ablassen). And drumming, in part because of the discipline it entails (mit sich bringen), is one of the best ways we can think of to get you out of a wild space, and the world back into perspective.

THE PHYSICAL STUFF
Drumming is a good way to build tone and get your circulation going. Within five minutes, you start sweating. Since good posture (Haltung) is essential, your back, stomach (Rücken, Bauch) and abdominal muscles - the trunk stabilisers - get wonderfully toned. An open chest (Brustkorb) means improved breathing; blood circulation gets a boost. Flabby triceps get a brilliant workout - regular drummers have fabulous arms.
Drumming also improves co-ordination, especially as most of us are left-brain (linke Gehirnhälfte) dominant, and brings our brain into balance.
There's no age limit, and it's fantastic for pregnant (schwanger) women. "It's like the heartbeat, it soothes babies, both born and unborn," says Janis Merand, a drumming teacher at the Dakini Creative Health and Wellness Studio in Cape Town.

THE SOUL STUFF
Drumming leaves you feeling energised and centred. People speak of drumming as a meditation: because you have to focus (fokussieren/konzentrieren) on what you're doing, you have to still your thinking brain (Gehirn/Gedanken). It requires you to be totally present: you just can't drum and be thinking about work problems or what's for supper. And you can't be raging (wütend sein) the more relaxed you are, the better you drum. "You have to leave behind your emotions," says Janis, "and enter into a space of pure creativity. If you start thinking, you lose what you're playing."
An added bonus is that drumming gives us permission to play and have fun. Especially for those who're not trained musicians, being part of a drumming circle ("Drum-Cafe") lends a sense of accomplishment (Fähigkeiten/Fertigkeiten).
When you're playing traditional songs, you may not understand what they're saying, says Janis, but you're tapping into something ancient (urtümlich). And often, for westernised people, the drumming connects them to a feeling of something tribal and African, balm for people feeling alienated (be-/entfremdet) and disconnected.

THE SOCIAL STUFF
Drumming tunes us into our own rhythms and brings people together in wordless communication. Its social aspect is, in fact, a great drawcard. Half of what it takes to be a good drummer is good listening: to your own sound, the other drummers, and the sound you're making together.
The drum most often used in drum circles and workshops is the West African djembe, made of wood and skin. In Mali, home of the djembe, drumming is an integral part of society, and drummers valued (geschätzt, geachtet). It is a tool of communication, and every song has a specific function, from dissolving conflict to harvesting crops (Ernte einbringen).
In Mali you never play djembe alone, says Janis. It is always accompanied by the konkoni (a stick drum) which holds the bass line, and is seen as the masculine principle. The djembe, which is more lyrical, is the feminine principle.

Where to go
Beginner drummers need to learn a few simple techniques. As with anything, you won't be an instant djembe master. But the biggest fear (Befürchtung/Angst) - that you don't have rhythm - is the least (das geringste) of your problems. We all do, says Janis; sometimes it's just a case of relearning it (es wieder lernen). translated / deutsch by Anna/Drum-Café, Nordhorn

Text gefunden/Ouelle:

· Drum Cafe: Cape Town (021) 462-1064; and Johannesburg (011) 880-0809; or visit: www.drumcafe.com <http://www.drumcafe.com>
· Individual lessons and women's drum circle: Janis Merand 082 690 5240
· http://www.woman24.co.za/Women24/Display/Article/1,3373,42-47-332_1478,00.html


 
Drum Cafe, Drum Café, Drumcafe und Drumcafé sind registrierte Markennamen in Europa, Afrika, Australien und den USA. Weitere Informationen unter www.drumcafe.com