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Drumcircle Konzept Text: Anna Oelerich, 5.2.05 Ein Unternehmen zusammen trommeln Zusammen trommeln in der Gruppe „Die Lösung liegt immer auf einer anderen Ebene als das Problem selber.“ (Einstein) Wie bei vielen Outdoor- und Indoorevents soll auch in diesem Beispiel eines Trommelkreises, auch Drumcircle genannt, nicht frontale Wissensvermittlung, sondern erlebnisorientiertes Handeln und Lernen mit allen Sinnen im Vordergrund stehen. Aber die Besonderheit hierbei ist, dass ein stark objektfixiertes Angebot arrangiert ist, das Objekt ist ein Musikinstrument. Erinnerungen an mehr oder weniger gelungene Kindheits- und Jugenderlebnisse werden wach: man sollte damals das Spielen eines Musikinstrument erlernen, Notenkenntnisse erwerben und vor allem üben, üben, üben. Spontanes Musikmachen scheint nun wirklich kein Medium zu sein, von dem man erwarten dürfte, dass in einem kurzen begrenzten Zeitraum ein erfolgreiches oder beeindruckendes individuelles oder kollektives Erfolgserlebniss zu erzielen ist. Weit gefehlt! Sozial-kultureller Aspekt Trommeln ist bereits seit Jahrtausenden ein universelles Mittel der Kommunikation. Trommeln als Musikinstrument sind weltweit verbreitet und in vielen Traditionen als fester Bestandteil verankert. Der Einsatz von Trommeln in sogenannten Drumcirclen findet seit einigen Jahren immer mehr Eingang in firmeninterne Veranstaltungen in Europa und den USA als schöpferisches und ressourcenorientiertes interaktives Verfahren. Etymologischer Aspekt Gruppendynamischer Aspekt Improvisation Improvisieren bedeutet, schnell, wach und kreativ zu handeln, wenn etwas nicht nach Plan verläuft, wenn sich unterwegs neue Umstände abzeichnen, sich Zufälle ereignen. Die Mischung aus Lust und Angst kommt zum Tragen: Lust, etwas Neues zu sehen und zu bewältigen, Angst dagegen vor Unbekanntem, Fehlern oder gar dem Scheitern. Physiologischer Aspekt Aspekt des Eventmarketing So spezifisch das Design einer Tagung konzeptionell sein mag mit Zieldefinition wie Teambildung, Mitarbeiterführung, Zielvereinbarung, Projektmanagement oder Belohnung, so universell einsetzbar sind Drumcircle. Sowohl in ihrer Funktion als Diagnoseinstrument als auch „just for fun“ zur Auflockerung einer Tagungssituation haben sie durch ihre Unmittelbarkeit, ihre Leichtigkeit sowie ihre energetisierende und motivierende Wirkung bereits weite Verbreitung auch im deutschen Raum erfahren. Bezugsliteratur : Ich freue mich über Kommentare und vor allem Ergänzungen und Tipps zu meinem Text. 16.10.2003 Gute Frage Auszüge aus einer Diskussion, die im Djembedos - Forum gerade geführt wird: (alles könnt ihr unter dem Stichwort "Umfrage" unter de.groups.yahoo.com/group/djembedos abrufen, klickt doch mal rein!!!) Hallo zusammen, ich hätte gern mal eure Meinung zu einer meiner Meinung nach offenen Sprachregelung gehört. Und zwar zur Mehrzahl von Djembé. Djembés oder Djemben? Was sagt ihr? Hans Rabe www.rabensang.de Hallo Hans, interessante Frage - allerdings hat sie sich mir vorher noch nie gestellt. Wenn wir z.B. einen workshop planen, sagen wir: "Ich nehme meine Djembe mit, wie viele Djembe brauchen wir noch?" Wie haben niemals eine Pluralform gebraucht, sie war wohl einfach gefühlsmässig integriert. Na, Hauptsache wir hatten dann beim workshop genug Djembe/n/s! liebe Grüsse Anna www.drumcafe-nordhorn.de ..., dass ich im Fachbereich Germanistik hauptsächlich als Übersetzerin Ingeborg Bachmanns bekannt bin; in Trommlerkreisen bin ich eher als Dr. Dorothy Dumbdrum verrucht, nichtsdestotrotz bin ich seit 2000 die "Managerin" von Famoudou Konate hier in den USA). Als Germanistin ist es mir wirklich Wurscht, ob man "djembes" oder "djemben" sagt (während ich in D. gelebt habe, sagten die meisten "Djemben" --wohl aus den grammatikalisch-logischen Gründen, die von Rainer Polak genannt wurden; da ich englisch-muttersprachlerin bin, habe ich schon seit meiner ersten Begegnung mit der Djembe [1986] immer dazu geneigt, djembes zu sagen und nur im Dativ von djemben zu reden). Das Problem mit dem Wort "Djembe" sehe ich vielmehr am Anfang als am Ende. In der Malinke Sprache, wie sie in Guinea gesprochen wird, existiert der Buchstabe "j" gar nicht (vergl. Marianne Friedländer, _Lehrbuch des Malinke_). Wörter mit diesem "dj" Laut werden mit "dy" geschrieben. Immer wenn Famoudou Konate Anlass hat, das Wort "djembe" zu schreiben, schreibt er es dementsprechend mit "dy," nie mit "dj." Ich wäre eigentlich dafür es auch so zu schreiben, nun hat sich diese "frankonisierte" bzw. "eingedeutsche" Form derartig durchgesetzt, dass es kaum noch möglich ist, "dyembe" so zu schreiben, wie die Malinke es auch tun. Was es die Mehrzahl betrifft-- ich meine, der Famoudou sagt, ganz gleich ob er gerade auf Deutsch, Französisch oder Malinke spricht, "wieviele Dyembe..." im Englischen genauso (how many djembe)--also genau wie Anna @ Drumcafe, nur mit dem kleinen Unterschied, dass er das Wort mit Ypsilon und nicht mit Jot schreiben täte. Lilian Friedberg http://www.chidjembe.com/ ... Aber nun zur Frage: Ich trete ja in Experten-Kreisen dafür ein, dass es Jenbe heißt. Das tu ich aber nur in wissenschaftlichen Texten über Mali, und zwar weil man es in Mali halt so schreibt, zumindest laut dortiger offizieller linguistischer Richtlinien und den entsprechenden Wörterbüchern. Den Plural mach ich auch mit -n, also Djemben oder Jenben. Ich glaube, es erscheint uns flüssig, weil viele deutsche Worte, die auf -e auslauten, den Plural mit -n bilden (Lauten, Gitarren, Flöten, Trompeten usw.). Der Plural mit -n sagt aus, dass man das ganze Wort als eingedeutschtes Wort betrachtet, das zwar ein Lehnwort ist (aus dem Mande bzw. Französischen), aber mittlerweile eben eingebürgert. Der Plural mit -s kommt ja aus dem Französischen (und in den letzten Jahren, in "jembes", auch aus dem Englischen. Diesen Plural zu verwenden scheint mit deshalb zu bedeuten, dass man das Wort noch als Fremdwort betrachtet -- also etwas weniger weit "eingedeutscht", als es bei einem Lehnwort der Fall ist --, was durch den manchmal auch von Deutschen verwendeten franz. Akzent (djembé, djembés) besonders deutlich wird. Natürlich jede Sprachregelung offen und bildet sich nur in der Praxis der Benutzer der Sprache raus, selbst der Duden hat ja z.B. keine Gesetzeskraft und gilt nicht mehr so uneingeschränkt wie früher, seit der Neuen Rechtschreibung. Ich halte allerdings die "Eindeutschung" für eine quasi natürliche Entwicklung, und finde "Djemben" auch ein ganz schönes Wort. Was aber haltet ihr vom Plural unserer lieben Basstrommeln? Ich bin ja für "Dununs" (Dounouns, Doundouns). So long, Rainer Dr. Rainer Polak Pottensteiner Str. 8 95447 Bayreuth ---- Naja, bei diesen Themen musste ich an meine Kindheit als s.g. "Mischlingskind" oder "Halbblutige" in den USA zurückdenken: mutterlicherseits bin ich s.g. "indianischer" Herkunft, d.h. Ich stamme von den Ojibwe ab; väterlicherseits bin ich deutsch-jüdischer Herkunft, daher auch der Name "Friedberg". Weil die europäischen Besatzungsmächte das Wort "Ojibwe" nicht aussprechen konnten und es demensprechend geschrieben haben, ist dafür der Begriff "Chippewa" vielleicht noch gängiger dort drüben; neulich habe ich sogar einen alten Text entdeckt, bei dem dieses Wort auf Deutsch "Odschibwa" geschrieben wurde--finde ich immerhin besser als "Chippewa", richtig ist jedoch nur "Ojibwe" oder "Ojibwa" bzw Anishinabe oder Anishinaabeg. Zur "Integrierung": Schon als Kind wurde ich als "Halbblutige" von meiner Mutter "entfernt", [engl. "removed"] weil die damalige USRegierung systematisch versuchte, uns "Wilden" (auch uns Halbwilden und sonstige "Überreste" der s.g. "alten" Kulturen) in ihre Besatzungskultur zu "integrieren." Die Bedingung dieser "Integrierung" war, dass wir jede Spur unserer Fremdheit loszuwerden hatten; selbstverständlich liefen die "erfolgsreichsten" "Integrierungs-Experimente" dieser Art eben mit den heller-häutigen unter uns ab, die--wie ich--es leichter hatten, bei besseren Familien unterzukommen. Von Anderen kenne ich recht grauenhafte Geschichten aus dieser Zeit, bei mir war es eigentlich nur halb so schlimm; von der Hautfarbe her war ich eben "hell" genug um "dazuzugehören". Nun ist eins der Hauptanliegen der Stämme, die auch dadurch fast verlorengegangenen Sprachkenntnisse zurückzugewinnen--deswegen besteht man darauf, nur als Beispiel, Ojibwe/a so zu schreiben und nicht anders. Es ist nicht nur eine Frage der "Selbstbestimmung", sondern eine Frage der Erhaltung der s.g. "alten" Kulturen, die zwar schon sehr alt sind, aber in grossen Zügen noch gelebt werden, trotz jedem Versuch, sie aus der Welt zu schaffen. Mir war es nicht möglich, meine "Andersartigkeit" abzulegen. So bin ich von einer Pflegefamilie zur anderen hinundhergeschoben, bis ich irgendwann "erwachsen" war und meinen eigenen Weg einschlug. Bald darauf bin ich als Stipendiatin der Kieler Uni nach Deutschland "ausgewandert"-- teilweise weil ich gar nicht mehr mitansehen konnte, was die Besatzungmächte mit dem Land meiner Grossmütter anstifteten. Auch wenn ich als "Halbjüdin" in Deutschland nicht so ganz hineinpasste, wagte es niemand aus meinem (wörtlichen) "Vaterland" von mir zu verlangen, dass ich jede Spur meiner "Fremdheit" ablege, um dazuzugehören (vielleicht aufgrund der deutschen Geschichte, die--anders als die amerikanische Geschichte des Massenmordes--sich nicht leugnen lässt, zumindest nicht nach deutschem Gesetz). Damals habe ich es so empfunden, als wären "die Deutschen" einfach offener, toleranter, weiterdenkend als die Amis, eben etwas "anders" als die übrigen Kolonialkräfte. Jedenfalls haben sich die Stämme heftig gegen diese Art "Integrations"-versuche gewehrt und es wurden nach etwa zehnjährigem Kampf Gesetze verabschiedet, die verlangten, dass Indianerkinder NUR von Indianerfamilien adoptiert wurden, damit die weitere Ausrottung unserer Kulturen, unserer Sprachen, usw zumindest streckenweise angehalten wurde. Das hat auch--Geronimo sei dank ;)--teilweise geklappt. Was hat das alles mit der Integrierung der Djembe-Kultur in die deutsche Kultur/Sprache zu tun? Lasst uns meinen, das Deutsche sei die "Mutter (sprache)", "djembe" sei das Stiefkind, das sie "adoptieren" will. Das Stiefkind ist "fremd": soll man ihm seine Fremdheit entnehmen als Bedingung dafür, dass es auch "integriert" werden darf, oder soll man es adoptieren und ihm seine Fremdheit zulassen, gutheissen, respektieren, sogar fördern und pflegen? Könnte man nicht sogar sprachliche "Sondergenehmigungen" ausstellen, um ihm und seinen Eigenarten gerecht zu werden? (Im Grunde passiert genau das, wenn in der Bildung der Mehrzahl keine Veränderungen vorgenommen werden [wie der Wagen/die Wagen], oder eben wenn die Mehrzahl mit "s" [wie das Auto/die Autos] gebildet ist). Wäre es nicht auch das, was zu einem "Liebesverhältnis" gehörte, ganz gleich ob zwischen Mutter/Vater und Kind, Mann und Frau, Mann und Mann oder Frau und Frau, sogar zwischen Mensch und Tier bzw. Baum-Blume-Berg-Stein-Trommel? Muss die Aufnahme eines geschätzten Etwas' immer gleich die Aneignung durch Entfremdung aus seinem ursprünglichen Zusammenhang beinhalten? Wieso passen wir uns IHM nicht an, anstatt immer zu verlangen, es passt sich unseren "Regeln" an? Die Djembe ist schon Teil der deutschen Kultur geworden. Das ist kaum rückgängig zu machen, noch SOLL es rückgängig gemacht werden. Will man diese Trommel nun auch sprachlich "adoptieren" und ihr ihre Fremdheit überlassen, müsste sie eigentlich entweder "jenbe" (wenn aus Mali stammend oder diese Tradition betreffend) oder eben "dyembe" (wenn aus Guinea stammend oder diese Tradition betreffend)--d.h eine differenzierte Aufnahme von diesen Wörtern/Begriffen wäre mE schon angesagt; die verschiedenen afrikanischen Ballet-Traditionen könnten noch als "djembe-Traditionen" bezeichnet werden, um deren Verhältnis zur Kolonialgeschichte sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Von "Neuerfindungen" aus Deutschland und für in Deutschland hergestellte Trommeln dieser Art könnte man tatsächlich "Dschembe" schreiben--wäre präziser, irgendwie auch "richtiger", denn es würde sie ganz klar von diesen anderen aus verschiedenen afrikanischen Gebieten stammenden Trommeltraditionen unterscheiden. Für die nordamerikanischen Entwicklungen auf diesem Gebiet könnte man "Jambay" sagen--so wusste auch jede/r gleich Bescheid, mit welcher kelchförmigen Trommeltradition er/sie zu tun hat. Sicherlich sind das bloss halbseriöse Vorschläge--wie ihr sieht, benutzen auch wir in unserer Werbung "Djembe"--aus pragmatischen Gründen. In unseren Kursen erklären wir allerdings schon den Unterschied zwischen "djembe" "jenbe" und "dyembe";von "Dschembe" u.o. "Jambay" war bisher noch gar keine Rede;=). Inzwischen habe ich den sehr aufschlussreichen Aufsatz von Thomas Ott gelesen (danke Ulli und Anna!) und ein Zitat daraus gezogen, das ich sehr zutreffend finde, gerade vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrung als "Fremde im eigenen Land" (ich zitiere Henryk Broder) und meine Erfahrung als Fremde in euren Ländern, nicht zuletzt als Fremde in Guinea. Eure ganz gern fremdunddfriedlichwennauchnichtimmerfröhlichgebliebene, Lilian "Wenn die vertrauten Erfahrungs- und Bewältigungsmuster versagen, wenn wir das wirklich Fremde als Befremdliches nicht dem (feindlichen oder idealisierenden) Gegenbild zuschlagen wollen, es aber auch nicht in einem imaginären Urgrund von Allverwandtschaft auflösen können, wird uns eine besondere schwierige Leistung abverlangt (besonders schwierig für uns Deutsche, die wir weniger Erfahrungen im Umgang mit Einwanderern und mit anderen Kulturen haben als andere Länder): die Leistung, das Fremde als Fremdes zu belassen, ohne bestimmte Grundwerte unserer Gesellschaft - die eigene Sprache, die Menschenrechte, die Rechtsordnung - in ihrer Verbindlichkeit zu relativieren." (Thomas Ott, "Unsere fremde Musik") Eure Fragen, Kommentare, Wuensche usw. koennt ihr ueber johannes.schya@web.de an mich richten. Ich werde mich bemuehen umgehend Eure Fragen zu antworten. 28.10.2003 Hallo Hans, da hast du eine Diskussion losgetreten mit deiner Frage, wie der Plural von Djembe (Jenbe) gebildet wird. Du hättest sicher nicht gedacht, in welche Richtung sich die Ideen entwickeln würden. Du weißt, dass ich mich seit einiger Zeit mit der Sprache der Malinke, aber insbesondere mit der der Bambara beschäftige. Deshalb kann ich hier einen kleinen Beitrag zu deiner Frage liefern. Eine provozierende Frage: Wie ist der Plural von Messer? Ich nehme an, seit es die deutsche Sprache gibt, hat sich wohl bis heute niemand gefragt, wie der Plural von Messer ist, trotzdem können wir offenbar sehr gut mit dem Wort umgehen und wissen immer, ob es sich um ein Messer oder um mehrere Messer handelt. ... So ähnlich verhält es sich im Bambara (bamana kan) oder im Malinke (maninka kan). Das heißt, an den abhängigen Elementen von Djembe kannst du zweifelsfrei erkennen, ob es sich um den Plural oder Singular handelt. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied. Wir sagen «das Messer», «der Esel», u.s.w., unsere Substantive haben einen Artikel. Also sehr einfach mit der Pluralbildung: das Messer, die Messer, der Esel, die Esel. In unserer Sprache können wir den Plural durch die Veränderung des Artikels kenntlich machen, gleichzeitig geht die Markierung des Geschlechts verloren. Die Bambara und die Malinke kennen in ihrer Sprache keinen Artikel. Es gibt keinerlei Genusunterscheidung an Nomen, Pronomen, Verben oder Adjektiven. Will man in einem gegebenen Fall das natürliche Geschlecht angeben, so geschieht dies durch Suffigierung von -kê (Mann) bzw. von -muso (Frau). Beispiel : Rind. Will ich wissen, welches Geschlecht das Rind hat dann sage ich Rind-frau oder Rind- mann. Während man sich bei uns mit drei Artikeln abrackern muss (frage die Ausländer), haben die Franzosen nur zwei Artikel, leider nicht die gleichen wie wir. Die Engländer tun sich noch leichter, sie sagen einfach the. Ich weiß nicht, heißt das der, die, oder das. Man könnte darüber philosophieren. Die Bambara und die Malinke kennen keinen Artikel. Das macht die Sache für uns nicht leichter. Du hast gefragt, wie die Djembe im Plural heißt. Du bist dabei davon ausgegangen, dass die Djembe weiblichen Geschlechts ist. Wissen wir, ob es so ist? Wer öfter etwas von Stephan Rigert aus der Schweiz liest der wird feststellen, dass Rigert der Djembe das sächliche Geschlecht gibt. Er sagt: das Djembe. Finde ich gar nicht so schlecht, will sagen, ich halte das für richtig. Wenn wir das auch sagen würden, hätten wir keine Probleme mit dem Plural. Das Djembe wäre der Singular, die Djembe der Plural. (Genau wie : das Messer, die Messer) Leider haben wir aus mir unbekannten Gründen der Djembe die weibliche Form gegeben. Ich denke, sicher wohl nicht der bauchigen, eleganten Formen wegen. Nun ist es halt so. Wir haben uns, wohl aus Unwissenheit, die (das) Djembe in unsere Sprache integriert. Wir haben sie vereinnahmt. ... Für diejenigen die es interessiert, noch ein wenig Linguistik. Ich möchte mich nicht um die Frage drücken, was machen die genannten Ethnien, wenn sie keinen Artikel haben und trotzdem den Plural von Djembe bilden wollen. Sie können im Gegensatz zum Deutschen dem nackten Wort Djembe den Plural geben. Ich kann nur für den Teil in Mali sprechen, der zwischen Bamako und der Grenze zu Guinea, also im südwestlichen Bereich von Bamako liegt. Das ist der Grenzbereich zwischen den Bambara und den Malinke. Grundsätzlich wird der Plural nur am Nomen bzw. an der Nominalphrase markiert. Alle anderen Elemente des Satzes werden nicht verändert. Die Markierung des Plurals erfolgt durch das Suffix "w" (wird u gesprochen) entweder an das Nomen selbst oder an weitere, von ihm abhängige Elemente. Im letzteren Falle (z.B. Zahlworte oder Adjektive zum Nomen) ergeben sich unterschiedliche Regelungen. Pluralmarkierung entfällt a) im Zusammenhang mit Zahlworten, b) an Massennomen wie ji «Wasser», malo «Reis», nónó «Milch», wari «Geld»; c) kann entfallen bei Verwendung des Pronomens bêê "alle". siehe Raimund Kastenholz: Grundkurs Bambara (Manding) mit Texten) Was heißt das in der Praxis für die Djembe? mehrere Djembe heißen Djembe. Mehrere ist ein abhängiges Element von Djembe, aus ihm geht zweifelsfrei hervor, dass mehrere Instrumente gemeint sind, also nur der Plural gemeint sein kann. Wenn mit dem Wort Djembe ein Zahlwort oder irgendein Hinweis auf mehrere Djembe verknüpft ist, dann wird der Plural logischerweise durch den Hinweis erkenntlich. Nur wenn das Wort Djembe im Plural ohne weitere abhängige Elemente auftritt, dann heißen sie Djembew. Beispiel: Ich habe mir Djembe(n) gekauft. Ne ye jenbew san. Ich habe mir zwei Djembe(n) gekauft. ne ye jenbe fila san. Entsprechende Konstruktionen gibt es im Deutschen nicht, das ist das Interessante an der Sprache. Auffallend ist, dass die Malinke, etwa ab Siby in Richtung Westen und Süden, den Plural durch das Suffix "i" an das Nomen selbst oder an weitere, von ihm abhängige Elemente, bilden. Der Plural von Djembe ist also Djembei. Darf keinesfalls wie im Deutschen « ei » gesprochen werden sondern e-i. Gleichermaßen aber erfolgt die Pluralbildung in diesem Gebiet und weiter bis in den Süden nach Guinea mit Hilfe des Morphems "lu". (siehe Marianne Friedländer: «Lehrbuch des Malinke») ... Zusammenfassend möchte ich folgendes sagen: Ohne einen Fehler zu machen, und ohne das Wort Djembe einzudeutschen, könnten wir von «das Djembe» reden und schreiben. Das Problem mit dem Plural würde sich auf eine sehr kulturbezogene Art und Weise von selbst lösen Richard Schreiner Rhythmen der Gemeinschaft, Faszination des Fremden Trommeln und Tanz Der Trommler ...Indem er die Rhythmenwechsel bestimmt, lenkt der (Meister-)Trommler die Entwicklung des gesamten Geschehens. Die Teilnehmer sind mit den Rhythmen der Szenerie beschäftigt, und der Trommler organisiert und zentriert die Darstellung der Kraft sowohl auf der sozialen wie auf der musikalischen Seite durch seine profunden und mit Bedacht eingesetzten ästhetischen Fähigkeiten....(S.138) ...Ein einziger Ton an der richtigen Stelle platziert, beweist die Kraft eines Trommlers besser als die Ausführung einer ganzen, technisch komplizierten Phrase. Ein guter Trommler hat die Fähigkeit, alle Rhythmen gleichzeitig zu hören und dann noch Platz für seinen eigenen zu finden. Er balanciert mit seinen Schwerpunkten immer am Rande des Chaos und macht aus den vereinzelten und miteinander streitenden Rhythmen ein Ganzes. (...) Er braucht nicht ständig den Rhythmus zu wechseln, denn es geht ihm gar nicht darum, alle Möglichkeiten für sich zu beanspruchen. Er versteht sich als Teil des Ensembles. Er weiß, dass er nicht alles beisteuern muss, was das Ergebniss interessant macht, und dass er lediglich ein paar Vorschläge machen kann, wie das Potential zu nutzen ist....(S.139) Buchtipp von Anna
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